Geöffnet Heute 10 - 17

Robert Mapplethorpe - On The Edge

17.06. – 30.10. 2016.

❤︎❤︎❤︎❤︎❤︎ - Politiken
★★★★★ - Jyllands-Posten
★★★★★ - Århus Stiftstidende
★★★★★ - Kristeligt Dagblad.

Im Sommerhalbjahr zeigt ARoS eine einzigartige Ausstellung mit Fotografien des Amerikaners Robert Mapplethorpe (1946-1989). Zu sehen sind Portraits von Mapplethorpe selbst, New Yorker Prominenten der Siebziger- und Achtzigerjahre, darunter Arnold Schwarzenegger, Andy Warhol und Louise Bourgeois sowie die Rockikone Patti Smith, Mapplethorpes Muse und Seelenverwandte.

Robert Mapplethorpe, Arnold Schwarzenegger _1976,  © Robert Mapplethorpe Foundation

Robert Mapplethorpe: Arnold Schwarzenegger,1976. © Robert Mapplethorpe Foundation 

Die Ausstellung zeigt auch eine Reihe streng komponierter Fotos sinnlicher Frauen und Männer, der Bodybuilderin Lisa Lyon sowie nackter, schwarzer Männer, deren wohlproportionierte, athletische Körper statisch und zum Objekt gemacht erscheinen, wie antike Skulpturen. Sie alle zeugen von Mapplethorpes Faszination von Körper und Erotik. In Mapplethorpes ‘verbotener’ Serie von Fotos aus dem S&M-Milieu in New York kommen wir der Sexualität in höchster Potenz ganz nahe. Außerdem sind Fotos von Marmor- und Bronzestatuen zu sehen, von griechischen Göttern, von Teufeln und von Blumen, Orchideen, Rosen und Lilien, mit starken erotischen Untertönen.

EIN GEFALLENER ENGEL

Robert Mapplethorpe wuchs in einer streng katholischen Mittelklassefamilie in Queens auf. Der Vater war patriarchalisch und dominierend, mit Mapplethorpes eigenen Worten ”ein fanatischer Ordnungsmensch, der alles in der Kühltruhe nach Größe und Form anordnete”. Als Heranwachsender fühlte sich Mapplethorpe verkehrt, ein Gefühl, das sich verstärkte als ihm klar wurde, homosexuell zu sein. In den Sechzigerjahren wurden viele Homosexuelle allein deswegen verhaftet und zu jener Zeit häufig als psychisch krank oder als kuriose Missgeburt betrachtet. ”Ich wusste, dass Homosexualität falsch war und nichts, für das man gehalten werden sollte.” Erst Ende der Sechzigerjahre, nach der Trennung von seiner ersten Partnerin Patti Smith, outete sich Mapplethorpe.

AUSFLUG INS ABENTEUER

Als Künstler machte Mapplethorpe aus dem Verbotenen und Absonderlichen etwas Schönes. Er begann, New Yorks homosexuelle S&M-Milieu und Subkultur zu dokumentieren. Stark inspiriert von pornografischen Magazinen, aber auch von Bildkonventionen der Antike und von Fitnessmagazinen wie Physique Pictorial oder Grecian Guild Pictorial, die bereits in den Vierzigerjahren entstanden, machte er erotische Fotos durchtrainierter Männer in Lederunterwäsche und offenen Seemannshemden.

AM RAND

Der Kontrast zwischen konform und rebellisch, heilig und profan durchzieht Mapplethorpes Kunst. Er war Meister der Schwarzweißfotografie, aber auf menschlicher und künstlerischer Ebene hatte er nichts Schwarzweißes an sich – im Gegenteil. Er war ein Künstler, der sich stets am Rand befand, am Rand der Gesellschaft, des Maskulinen und Femininen, des Apollinischen und Dionysischen, des Göttlichen und Teuflischen.

Das S&M-Milieu regte seine sexuellen Fantasien an und inspirierte ihn künstlerisch. Seine sexuellen Gewohnheiten waren fest mit seinen Gefühlen von Schuld und Scham verbunden. In einem seiner berühmtesten Bilder, Selbstportrait (mit Peitsche), von 1977, stellt sich Mapplethorpe selbst als abstoßendes Wesen in der Nacht – als Sexdämonen dar – ohne Kontrolle über seine Lüste. 

Sex ist das Einzige, für das es sich zu leben lohnt.” Robert Mapplethorpe

ROBERT & PATTI FOREVER

Robert Mapplethorpe und Patti Smith begegneten sich im Alter von 20 Jahren. Beide hatten den Wunsch, mit den stereotypen Geschlechterrollen der Gesellschaft Schluss zu machen. Smith war ein jungenhafter Typ, eine ”gothic crow”, die sich in einem femininen Universum unwohl fühlte, und sie tauschten häufig Kleidung, um Maskulines und Feminines zu mischen.

EIN NEUER ANFANG

1968 war ein Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte. Anfang April wurde Martin Luther King, Jr. ermordet. Zwei Monate später wurde Robert F. Kennedy erschossen. Das Fundament bekam Risse, und aus der Dunkelheit flatterten Unglücksfälle hervor wie Fledermäuse. Auch das Verhältnis zwischen Smith und Mapplethorpe wackelte, und als Smith Schluss machen wollte, sagte Mapplethorpe zu ihr: ”Wenn Du gehst, werde ich schwul.” Der Bruch führte zu einem Neubeginn. Mapplethorpe konnte seine Homosexualität nicht mehr verbergen. Als Freunde fand das Paar jedoch wieder zusammen und wohnte eine Zeit lang im Chelsea Hotel, in New York, einem psychodelischen Universum für kreative Geister, Freaks und Außenseiter. Dort schworen sie sich, zusammen zu bleiben, bis sie stark genug wären, um allein zu bestehen. Ihre Freundschaft dauerte bis zu Mapplethorpes Tod im Jahr 1989, verursacht durch AIDS. Er wurde 42.

Die Ausstellung ROBERT MAPPLETHORPE – ON THE EDGE wird kuratiert von ARoS (Erlend G. Høyersten und Maria Kappel Blegvad) und zusammen mit Canica Art Collection, Oslo und Robert Mapplethorpe Foundation, New York entwickelt. 

Text von Kuratorin Maria Kappel Blegvad.

Robert Mapplethorpe -Self Portrait

Robert Mapplethorpe: Self Portrait, 1980. © Robert Mapplethorpe Foundation.

Robert Mapplethorpe, Embrace, 1982. ©Robert Mapplethorpe Foundation

Robert Mapplethorpe: Embrace, 1982. © Robert Mapplethorpe Foundation

Robert Mapplethorpe: Orchid, 1989. ©Robert Mapplethorpe Foundation

Robert Mapplethorpe: Orchid, 1989. © Robert Mapplethorpe Foundation

Robert Mapplethorpe: Louise Bourgeois,1982. © Robert Mapplethorpe Foundation.

Robert Mapplethorpe: Louise Bourgeois,1982. © Robert Mapplethorpe Foundation.

Robert Mapplethorpe: Lisa Lyon, 1982. © Robert Mapplethorpe Foundation

Robert Mapplethorpe: Lisa Lyon, 1982. © Robert Mapplethorpe Foundation

Robert Mapplethorpe: Calla Lily, 1986. © Robert Mapplethorpe Foundation

Robert Mapplethorpe: Calla Lily, 1986. © Robert Mapplethorpe Foundation 

The exhibition is supported by:

Jyllands -Postens -Fond

Vilhelmkiersfond

©ARoS 2017